Vogelschutz am Golfplatz Breitenfurt
Schutz und Nutzung am Beispiel eines Wachtelkönig-Biotops
Der Wachtelkönig ist ein europaweit vom Aussterben bedrohter Wiesenvogel. Er gehört zur Familie der Rallen, ist ein Zugvogel und lebt bei uns vornehmlich in Mähwiesen, aber auch in wiesenähnlichen Brachen und Feldern. Meist sind es großflächige, eher feuchte Wiesen mit vereinzelten Büschen und Bäumen die bevorzugt werden. Das Gras muss allerdings genügend Deckung bieten, darf aber auch nicht zu dicht sein, um dem Vogel die notwendige Bewegungsfreiheit zu geben. Er ist sehr scheu. Nur das Männchen macht sich in der Brutzeit nachts durch ausdauernde, laute Rufe bemerkbar.
Wiesen, die der Wachtelkönig als Lebensraum wählt, liegen oft in offenem, meist leicht hügeligem Gelände, und weisen hohe Vegetation auf, die in den oberen Schichten dichter, in den unteren Schichten offener ist: Hier, in den Hohlräumen zwischen den Grasbüscheln, bewegt sich der Wachtelkönig, sobald er um Mitte April aus seinem Winterquartier im tropischen Afrika zurückgekehrt ist, fast unbemerkt, und hier wandert er auch mit seinen (7-12) Jungen umher: Der Wachtelkönig ist fast nie zu sehen, nur zu hören – sein charakteristischer Ruf gibt ihm auch seinen lateinischen Namen (Crex crex).
In Österreich hat der Wachtelkönig nur wenige Rückzugsgebiete, die meisten liegen in Niederösterreich: die wichtigsten sind Wiesen im Waldviertel, im Wienerwald, in der Feuchten Ebene südlich von Wien und in den flußbegleitenden Landschaften an Donau, March und Thaya; der Wienerwald zählt zu den wichtigsten Gebieten – im Jahr 1999 beherbergte der Wienerwald den größten Wachtelkönig-Brutbestand in Österreich (nach Daten von „BirdLife Österreich“).
Ebenso ist die weitgehende Ungestörtheit der Vogelschutzzone sicherzustellen. Der Wachtelkönig ist zwar in seinem Verhalten an bestimmte Störungen angepaßt, so weicht er möglichen Prädatoren (Freßfeinden) wie dem Fuchs völlig lautlos und unsichtbar im Schutz der Pflanzendecke einfach aus, störungsempfindlich ist er aber z.B. gegenüber Dauerlärm, etwa an Straßen, und gegenüber zu häufiger Störung am Brutplatz bzw. am Gelege. Die Biotopregel wurde als Maßnahme zur Freihaltung der möglichen Brutfläche vorgeschlagen und akzeptiert, die Vogelschutzzone darf daher nicht betreten werden, auch nicht zur Ballsuche.
Im Überblick gesehen, war die Umsetzung des Konzeptes bei der Errichtung des Golfplatzes durch eine ökologische Bauaufsicht sicherzustellen und zu belegen, die Herstellung und Aufrechterhaltung der Schutzflächen in Flächenausmaß (Flächenbilanz) und Beschaffenheit sowie die Einhaltung der Schutzbestimmungen während des Betriebs des Golfplatzes (Biotopregel) sind nachzuweisen und für die Zeit nach Aufnahme des Spielbetriebs ist eine begleitende Erfolgskontrolle auf vorerst fünf Jahre vorgesehen.
Sämtliche Maßnahmen während Bau- und Betriebsphase unterliegen bzw. unterlagen strengster – auch unangekündigter – Kontrolle. Es besteht Berichtspflicht an die bewilligende Naturschutzbehörde, dies ist in diesem Fall die BH Mödling, die Sachverständige der NÖ Landesregierung beizieht. Als Ökologische Bauaufsicht, für die begleitende Betreuung und für die Erfolgskontrolle wurde der Verfasser, Dr. Hans Peter Kollar, Biologe, in Abstimmung mit der Behörde und dem Amtssachverständigen eingesetzt. Langjährige Mitgliedschaft in einem anderen Golfclub (bei allerdings recht wenig Praxis; Hainburg) und langjährige Tätigkeit als Naturschutz-Sachverständiger bei zahlreichen Vorhaben sollten in beiderlei Hinsicht sachgerechte Betreuung und Erfolgskontrolle sicherstellen, nunmehrige zusätzliche Mitgliedschaft in diesem Club wird die Tätigkeit nicht behindern, sondern im Gegenteil die entsprechende Motivierung von Nutzern und Erhaltern der Anlage sowie nötigenfalls Umsetzung von korrigierenden Maßnahmen erleichtern.
Die Voraussetzungen sind somit geschaffen, die folgenden Jahre werden zeigen, ob der Versuch gelingt. Betreuung, Betreiber und Erhalter der Anlage werden jedenfalls alles dazu beitragen – denn ein Brutvorkommen des Wachtelkönigs auf einem Golfplatzgelände wäre tatsächlich ein höchst bemerkenswertes Ergebnis, sowohl für den Naturschutz als auch für den Golfsport!
